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Einzige Clearingstelle für traumatisierte Geflüchtete soll geschlossen werden

Wir wurden gegen 11.30 Uhr angerufen. Die Clearingstelle wurde nun auf den 31.12.19 verlängert, für alle. Denn, so berichtete man uns gestern, eigentlich wollte man nur evtl. für Kinder und Jugendliche verlängern.

 

Ein kleiner Erfolg aber wir bleiben dran. Auch im Dezember !


nachfolgender OFFENER BRIEF ging heute Nacht an den Landesbeauftragten für Psychiatrie

 

Sehr geehrter Herr Thomas Götz,

da wir erfahren haben, dass die Clearingstelle für Geflüchtete geschlossen werden soll, adressieren wir unsere Forderungen direkt an Sie. 
Als gemeinnütziger Verein, der täglich in Kontakt mit geflüchteten Menschen steht, bei denen der Verdacht auf ein vorliegendes Trauma besteht, ist es für uns nicht akzeptabel, dass ein so wichtiger Anlaufpunkt zum 31.06.19 geschlossen werden soll.

Auch Ihnen wird bekannt sein, dass die Sozialpsychiatrischen Dienste der bezirklichen Gesundheitsämter für psychisch kranke Menschen in allen Berliner Bezirken mehr als ausgelastet sind, die Nachfrage kann weder durch Personal noch durch Übersetzer:innen gedeckt werden.
Ebenfalls in Jugendämtern ist die Arbeitsbelastung exorbitant, welches u.a. an den hohen Fallzahlen, der mangelhaften Ausstattung und der Personalnot liegt. 
Die in Berlin mehr als 150 Unterkünfte sind mit einem unverantwortlichen Sozialarbeiterpersonalschlüssel unterbesetzt.
Es ist essentiell, dass ein Trauma erkannt wird, sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen.
Selbst über die Terminservicestelle der KV Berlin werden kaum zeitnahe Termine mit darauffolgender Therapie angeboten. Die aktuelle durchschnittliche Wartezeit beträgt 20 Wochen für deutschsprachige Ärzt:innen.
Menschen mit Trauma, Kinder, Erwachsene sind und bleiben in Berlin unterversorgt. Daraus resultierende Suchtproblemen wie vor allem Alkohol -, Drogen-, und Tablettenabhängigkeit sowie anderen psychischen Störungen sind bereits jetzt die Folge.
Man kann nur hoffen, dass sich die Traumata nicht auch auf anderen Wegen entladen!

Es liegt in Ihrer Verantwortung, Betroffene zu schützen und zu unterstützen.
Die von der Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene, bundesweit erste Psychiatrische Clearingstelle schließt eine Versorgungslücke, indem sie Geflüchteten kultursensibel eine diagnostische Ersteinschätzung, ggf. die Einleitung einer Kurzintervention und die Weitervermittlung in ambulante Angebote anbietet.

Diese Versorgungslücke wurde nicht gefüllt. Auch wurden keine weiteren Clearingstellen eröffnet, denn auch diese eine Anlaufstelle kann der gesamten Nachfrage nicht gerecht werden.
Aktuell müssen sogar Patient:innen aus Brandenburg anreisen.

Daher ist es in unseren Augen grob fahrlässig, wenn Sie eine solche Einrichtung, an die sich sowohl die Betroffenen als auch Einrichtung und Sozialarbeiter:innen wenden können, zum 31.06.2019 schließen.
Dieser Forderung schließen sich auch weitere Initiativen/Vereine berlinweit an.
Es ist der Kürze der Zeit nach Kenntnisnahme (4.6.2019 )geschuldet, dass hier aktuell nur zwei Initiativen mitzeichnen können.

In diesem Sinne fordern wir Sie auf, die Charité und somit die Arbeit unserer Initiativen weiter zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen

Diana Henniges Moabit hilft e.V.
Andreas Toelke Be an Angel e.V.


Download
OFFENER BRIEF an die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, den Landesbeauftragten für Psychiatrie
Wir appellieren an alle Organisationen in Berlin und Brandenburg, uns hier zu unterstützen und sich ebenso gegen die Schließung der einzigen Clearingstelle zu stellen.
OffenerBriefSchließungClearingstelle.pdf
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