Wir wollten es selbst nicht glauben, aber es passiert: Wir faxen wieder. 2025.

Das Jobcenter Berlin verkündet fröhlich auf Instagram, man könne das Faxgerät „zum Walkman in den Keller legen“.

Alles sei digital, Organisationen könnten problemlos online kommunizieren.


Nur: Das stimmt nicht.


Wir faxen Betriebskostenabrechnungen, Schweigepflichtentbindungen, Arbeits- und Mietverträge, fehlende Unterlagen – seitenweise. Nicht aus Nostalgie, sondern weil das Jobcenter uns keine Alternative lässt.


Die E-Mail-Adressen der Leistungsabteilungen wurden abgeschafft. Einfach gelöscht. Ohne Ersatz, ohne Übergang.


Auf die Frage, wie wir nun kommunizieren sollen – in Situationen, in denen jede Verzögerung existenzielle Folgen hat – lautet die Antwort: Es gibt keine Möglichkeit.


Gleichzeitig behauptet das Social-Media-Team ungerührt das Gegenteil.


Das Jobcenter weiß, dass viele Klient*innen mit der hauseigenen App überfordert sind. Was ist also mit den Menschen, die auf Beratungsstellen angewiesen sind?
Trotzdem wird uneingeschränkte Mitwirkung verlangt.


Aber wie soll das gehen?

  • Mit Post, die verschwindet, selbst die aus dem Hausbriefkasten?
  • Mit Infobereichen ohne Empfangsbestätigung?
  • Mit Faxgeräten, die niemand mehr besitzt?
  • Mit überlasteten Hotlines und Wartezeiten auf Termine?

Und dennoch verbreitet das Jobcenter weiter das Märchen vollständiger Digitalisierung.


Deshalb faxen wir bei Moabit hilft e. V. wieder dreißigseitige Akten.
Weil Menschen sonst in Schwierigkeiten geraten, sanktioniert werden, durchs Raster fallen – und am Ende ohne Leistungen, Miete, Unterstützung dastehen.


Gleichzeitig erzählt die Politik das alte Narrativ von angeblich bequemen Bürgergeldempfänger*innen, während der Staat selbst Mitwirkung unmöglich macht und Kommunikationswege abbaut.


Bemerkenswert: Behörden untereinander kommunizieren selbstverständlich weiterhin per E-Mail.


Wir sind wütend. Nicht aus Prinzip, sondern weil wir jeden Tag sehen, wen diese Entscheidungen treffen.


Die Zivilgesellschaft fängt erneut auf, was staatliche Strukturen liegen lassen.


Und Menschen, die keine Beratungsstellen mehr finden – weil diese ebenfalls gestrichen und ausgedünnt werden – fallen endgültig durchs Raster.


Wir faxen wieder. 2025. Berlin.
Und es ist der deutlichste Beweis dafür, wie wenig dieser Staat die Schwächsten tatsächlich erreichen will – egal, was er auf Instagram behauptet.


Wir fordern:
Ermöglicht endlich verlässliche und schnelle Kommunikation! 
Denn Beratungsstellen und Eure Kund*innen sind keine Bittsteller. 
Wir arbeiten mit euch, nicht unter euch. 
Begegnung auf Augenhöhe statt Hürden, die Existenzen gefährden.


Kontakt

Moabit hilft e.V.
Postfach 210408
10504 Berlin

 

Fon +49 160 964 80003

[email protected]

 

PRESSEANFRAGEN:

Diana Henniges +49 160 964 80003

[email protected]

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